Wenn eine:r eine Reise tut…

…dann kann er/sie aber was erleben!

Wie Du vielleicht weißt, zählt mein GöGa (Göttergatte) zu den von Aviaphobie geplagten Mitmenschen. Zu Deutsch: Männe hat Flugangst.

Da wir aber den September-Hochzeitstag-Urlaub wieder bei meiner Mama auf Mallorca in ihrem wunderschönen Haus in Port de Sóller verbringen wollten, mussten wir halt irgendwie per Seeweg auf die Insel.

Nun gut, es gibt ja Bus, Bahn und – für den wäßrigen Teil der Strecke – Fähre. Also alle Angebote gecheckt, festgestellt, dass die Strecke nach Toulon per Bus bzw. Bahn kürzer – und damit weniger stauanfällig – ist als die nach Barcelona und uns wegen der Kosten für die Anreise per FlixBus entschieden. Nie hätten wir geahnt, dass der Landweg das kleinste Übel sein würde…

Guter Dinge im FlixBus – trotz 45 Minuten Verspätung…

Die besten Schwiegereltern der Welt waren so lieb, uns zum Bus zu bringen und alles war gut. Es goß zwar aus Eimern, aber GöGa und ich freuten uns umso mehr auf ein paar warme, sonnige Tage auf der Insel. Tja, dann kam der Bus mit 45 Minuten Verspätung an. Und wir dachten: „Naja, wir haben zum Glück fast vier Stunden Umstiegszeit in Lille, also alles easy.“

Ein Nickerchen (mit Musik aus der Dose, weil kein WLAN vorhanden) später, war aus der dreiviertel Stunde schonmal anderthalb geworden. Einen weiteren Stau und eine Pflichtpause des armen Busfahrers später, waren wir dann bei knapp drei Stunden Verspätung in Lille. Zum Glück mussten wir bei dem Schietwetter nicht im Regen warten und die Fahrer des Busses von Lille nach Toulon waren gut drauf.

Aber: Wieder kein WLAN und Olli und ich mussten, wie im ersten Bus auch, getrennt von einander sitzen, bis die ersten Passagiere ausstiegen, da unsere Sitzplatzreservierungen kurz vorher storniert worden waren. Aber auch das lies sich regeln.

Nach einer ereignislosen Nachtfahrt waren wir dann schon in deutlich südlicheren Gefilden Nähe Avignon, wie der Bewuchs entlang der Autobahn erahnen ließ:

Wir kamen dann also trotz Verspätung bei der ersten Etappe mit viel Puffer für die Fähre in Toulon an. Und Toulon ist ein nettes Städtchen:

Weil wir aber, naiv, wie wir sind, davon ausgingen, dass wir in wenigen Stunden ins Hafengelände dürften und unsere Koffer auf die Fähre bringen könnten, sind wir gemütlich vom Busbahnhof zum Hafen geschlendert. Dabei sind die obigen Aufnahmen entstanden.

Wir saßen also am Eingang zur Fährstation und harrten auf Einlass. Und ca. zehn Minuten, bevor es soweit war, bekam GöGa eine SMS: Die Abfahrt der Fähre würde sich um vier Stunden verzögern. Entsprechend durften wir also auch erst vier Stunden später in die Fährstation. Also sind wir abwechselnd bei unserem Gepäck geblieben, um zwischendurch durch die Gegend zu schlendern. Eine Möglichkeit, den Koffer irgendwo am Hafen unterzubringen, gab es nämlich nicht!

Vier Stunden später:
Wir sind endlich dabei, an Bord zu gehen. Da wir mit der Buchung leider etwas zu spät dran waren (nicht, dass ich nicht schon Wochen vorher angemahnt hätte, dass wir jetzt mal buchen müssten…), gab es für uns nur noch Liegesitze, die man buchen konnte. Also bekamen wir beim Einschiffen unsere Sitze zugewiesen – wieder nicht nebeneinander!

Auf der Titanic hat man sich wenigsten Mühe gegeben!

An Bord des Corsika Ferries Schiffes angekommen, gingen wir auf die Suche nach der Kabine mit den Liegesitzen. Dazu muss man wissen, dass GöGa und ich, wiederum naiverweise, angenommen hatten, dass kostenpflichtige Liegesitze so etwas wie die Möglichkeit böten, die Beine hochzulegen. Nope. Uh-uh. Non. Neihein. Es waren einfach nur die Art Sitze, wie man sie auch in jedem Reisebus oder Flugzeug findet, zum nach hinten lehnen. Aufgereiht, wie in einem Kinosaal, mit weniger Ambiente als in einem solchen und eiskalt. Ich meine, wirklich eiskalt. „Du brauchst hier keinen Kühlschrank“-kalt. Keine Decken in Sicht, dafür aber Wäschesäcke mit Schmutzwäsche. Im Schlafsaal. Die Toiletten im Schlafsaal: außer Funktion. Die Toilette in der Nähe der Rezeption: außer Funktion. Getränkeautomaten: außer Funktion. Decken, um nachts nicht zu erfrieren: nur für Passagiere mit Kabine. Irgendwann, des Nachts, wurde es dann allmählich wärmer im Schlafsaal. Nachdem wir (und damit meine ich nicht nur GöGa und mich, sondern auch unsere Mitreisenden) die Wäschesäcke geplündert hatten und unter Bettlaken nächtigten, damit wir zumindest nicht ganz so arg froren.

Eine ungemütliche Nacht später…

GöGa und ich sind gerädert, schlecht gelaunt und wollen einfach nur noch raus aus diesem Pott. Aber, wir sind noch nicht in Alcúdia angekommen. Die vier Stunden Verspätung bedeuteten nämlich auch, dass wir um 12:30 anlandeten und nicht schon um 8:30 Uhr, wie ursprünglich geplant.

Wir sind also mit Sack und Pack in das Selbst-Bedienungs-Café der Schiffes gegangen und haben uns dort einen Fensterplatz gesucht. Tageslicht, endlich! Und stellten mit einiger Bestürzung Folgendes fest: Die Tische wurden zwar abgeräumt, aber nicht abgewischt. Man sah eigentlich nirgends irgendwen mal mit einem Putzlappen, Staubsauger oder ähnlichem… Irgendwie wunderte es mich dann nicht, dass fast nahezu alle Toiletten außer Betrieb waren. War ja keiner da, um sie zu reinigen!

Der Urlaub kann beginnen – oder: Endlich da!

Weil das Schiff von Corsika Ferries auch in Menorca hielt und dort anscheinend auch etwas länger brauchte, kamen wir also um 13:30 endlich in Alcúdia an. Meine Mama erwartete und schon direkt am Ausgang der Fährstation und so luden wir alles ein und fuhren los.

Ab dann war Mallorca einfach Mallorca und machte sein Ding: bezaubern, entschleunigen, erstaunen:

Besonders gut gelingt das Entschleunigen abends in Port de Sóller bei einem Absacker (die gibt’s auch ohne Alk). Die Menschen um einen herum flanieren entspannt den Kai entlang, die Boote wiegen sich sanft im Wassern und es spielen Straßenmusikanten:

Katastrophen-Alarm – die Heimreise schockt richtig

Tja, aber auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende und angesichts der Zustände auf der Hinfahrt hatten GöGa und ich schon einmal gecheckt, ob wir den FlixBus ggf. stornieren können und bis wann. Könnte ja sein, dass die Fähre wieder Verspätung hat und wir dann den Anschluss nach Hause verpassen. Verdammte Vorahnung…

Am Abreisetag sind wir drei, meine Mama, Göga und ich, frühzeitig nach Alcúdia gefahren, um uns dort einfach mal ein wenig umzusehen, zu flanieren, ein letztes Mal gemeinsam Essen zu gehen und einfach noch einen entspannten Tag zu haben bis abends die Fähre losfahren sollte. Da es früh dunkel wurde und gewittrig aussah, ist meine Mama gegen 18:30 dann wieder gen Port de Sóller aufgebrochen und GöGa und ich gingen in die Fährstation. Und warteten. Und warteten. Und warteten. Siehe da, endlich, mit nur einer Stunde Verspätung, wurde der Sicherheitscheck für die Passagiere von Corsika Ferries mit Reiseziel Toulon eröffnet.

Ich musste zwar mein Wandermesser an der Sicherheitsschleuse zurücklassen (das bei der Hinfahrt kein Problem war), aber OK. Gibt Schlimmeres. Immerhin, wir sind an Bord, bisher eine Stunde Verspätung, wir haben unsere Kabine, kann losgehen. Bis Olli dann aufs Klo musste und beim Einschalten des Lichts im Kabinen-eigenen Lokus feststellen musste, dass die Jungs sich beim Einbauen der Lampe vertan hatten. Die eingebaute Lampe war anscheinend für eine Disko gedacht, nicht für ein Klo! Warum? Seht selbst (und nein, das Video ist nicht nachbearbeitet!):

Davon, dass die Klobrille gebrochen war und Olli sich demzufolge beim Hinsetzen fragte, was ihn da in den Pöter piekst, will ich jetzt mal nicht reden. Auch nicht von den Aspergillus-Kulturen in der Dusche…oder davon, dass wir eine gefühlte Ewigkeit im Hafen lagen und irgendwer auf dem Parkdeck seine Auto-Alarmanlage nicht in den Griff bekam.

Was sich aber für uns als wirklicher Stressfaktor entpuppen sollte war, dass die Kabinen-Lautsprecher entweder ausgeschaltet, oder aber defekt waren. Wir hörten zwar nachts durch die Kabinentür Durchsagen auf den Fluren, nahmen aber an, dass diese für die Mannschaft oder die Passagiere auf den Parkdecks und/oder in den Gängen seien. Am nächsten Vormittag, als wir noch immer keine Info bezüglich der Ankunftszeit erhalten hatten, hörten wir wieder eine Durchsage auf den Gängen. Leider war ich zu spät an der Kabinentür, so dass ich diese dann nicht mehr mitbekam. Aber mehrere Passagiere hatten dasselbe Problem und man tauschte sich aus. So erfuhr ich dann vom Kabinen-Nachbarn, dass wir wohl eine halbe Stunde Verspätung hätten. Wir kämen also um 12:30 in Toulon an. Da der FlixBus zurück um 15:40 fahren sollte, alles easy. GöGa und ich packen also unseren Kram, verlassen um 12:00 Uhr die Kabine und gehen zur Rezeption. Vor uns eine Schlange, ein schwedisches Ehepaar diskutiert auf Englisch mit der Rezeptionistin. Wie sich herausstellt, wird das Paar seinen Zug nach Schweden nicht mehr erreichen, da wir nicht um 12:30 Uhr, sondern erst um 15:00 Uhr in Toulon ankommen sollen! Moment, wann gedachte man denn, uns das mitzuteilen?!
„Ja, aber wir haben doch drei Mal auf Französisch, Englisch und Italienisch durchgesagt, dass wir erst um drei ankommen!“ – „Äh, davon haben wir auf den Kabinen aber nichts mitbekommen!“

Es stellte sich heraus, dass wir nicht die Einzigen mit diesem Problem waren, immer mehr Passagiere beschwerten sich, sie hätten in den Kabinen nichts gehört. Und ich frage mich, was wohl passiert wäre, wenn wir nachts auf Grund gelaufen oder ein Brand ausgebrochen wäre…immerhin hätten wir keine Durchsage gehört. Hätte man uns da einfach in den Kabinen absaufen oder verbrennen lassen, weil, man hat es ja durchgesagt?!

Plan B – wie Bahn

Olli schafft es zum Glück noch, den FlixBus rechtzeitig dank des gebuchten WiFi – das zum Glück in der Zeit funktionierte – zu stornieren und uns Tickets für einen TGV nach Paris und von dort aus mit dem Thalys nach Aachen zu buchen. Nur Mal zum Vergleich: Wir bekommen 89,- Euro zurück, müssen aber 420 Euro ausgeben. Thank you, Corsika Ferries – not!

Da der TGV erst am nächsten Morgen um 5:49 Uhr abfährt, suchen wir uns in Toulon nach erfolgreichem Ausschiffen und dem Schwur nie, nie wieder einen Fuß auf ein Schiff von Corsika Ferries (#neveragainCorsikaFerries #deathtrap #wreckfest) zu setzen, ein Hotel in Bahnhofsnähe. Wir kommen in einem kleinen, feinen, liebevoll geführten und picobello sauberen **Hotel schräg gegenüber vom Bahnhof unter.

Der nächste Morgen, der Wecker klingelt um 4:00 Uhr. GöGa und ich gehen duschen, ziehen uns an, packen alles zusammen, checken aus und gehen mit Sack und Pack zum Bahnhof. Der TGV fährt pünktlich ein, unsere Sitzplätze sind frei, wir haben WiFi und sind auf die Minute pünktlich an jedem einzelnen Halt. Angekommen am Gare de Lyon nehmen wir in Paris die Metro der Linie D, fahren zwei Haltestellen für 3,60 Euro (für uns beide!) zum Gare du Nord und besteigen den ebenfalls pünktlichen Thalys nach Aachen. Und kommen auf die Minute pünktlich dort an.

Fazit:

  • Wir sind zu alt für so’nen Sch***!
  • Zugfahren ist deutlich angenehmer als mit dem FlixBus zu reisen, auch wenn es das Dreifache kostet. Aber wenigstens sind (zumindest bei uns) das versprochene WiFi, Bordbistro und Sitzplatzreservierungen auch vorhanden.
  • Ich bitte jede:n, der/die mit der Fähre nach Mallorca oder sonst wohin reisen will: Bitte macht einen riesigen Bogen um Corsika Ferries! Die Schiffe sind marode und dreckig, das Personal unfreundlich und selbst elementarste Dinge wie Lautsprecher auf den Kabinen funktionieren nicht. Das kann im Ernstfall wertvolle Minuten kosten, die über eure Gesundheit oder euer Leben entscheiden!
  • Falls GöGa seine Flugangst nicht in den Griff kriegt, versuchen wir es beim nächsten Mal mit der Fähre ab Barcelona. Dort gibt es mehrere konkurrierende Anbieter, die Überfahrt an sich ist mit sieben Stunden deutlich kürzer als die 14 Stunden ab Toulon und wir haben von einer Mitreisenden gehört, dass sie bisher immer dort übergesetzt habe und dort nie auf solche Zustände gestoßen sei. Sie hätte halt die Fahrt bis zum Hafen abkürzen wollen und sei deshalb das erste – und letzte – Mal ab Toulon gefahren.

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