Mein Freund, der Yogi-Tee, letzte Woche…
Ja, es ist passiert, ich habe mir wieder eine Packung Yogi-Tee gekauft. Diesmal was mit Löwenzahn und Süßholz (und diversem anderen Kräuterzeugs), das sich “kleine Kur” schimpft. Ich versuche ja, bis Weihnachten keinen normalen, handelsüblichen Schoko- und sonstigen Naschkram zu essen. Bis jetzt habe ich durchgehalten. Und da passt sowas Entgiftendes ganz gut ins Konzept.
Zunächst einmal zur Eräuterung, warum ich den Yogi-Tee-Spruch diesmal besonders interessant fand: Mein Taiji-Sifu hat sein zweites Buch “Stille ist das Licht des Herzens” genannt. Es ist das “Handbuch zum stillen Qi-Gong”, das Theorie und lebensnahe Beispiele für Praktizierende und Anfänger des Qi-Gong vermittelt. Während im westlichen Bereich das Herz neben seiner Funktion als Blutpumpe vor allen Dingen in Sachen Gefühlen eine wesentliche Rolle spielt, ist das Herz in der chinesischen Lehre “der Kaiser”, denn hier sitzt das “Shen” – der Geist.
Wer seinen Geist erhellen will, muss einen Weg durch das Tosen der Welt und das Brausen des Egos zur Stille finden. Dann klärt sich der Geist – nicht nur gedanklich, auch körperlich hat das Auswirkungen.
Mein Freund Yogi-Tee meinte nun letzte Woche: “Worte sind der Duft des Herzens.” Man beachte die Wortwahl – “Duft” nicht “Geruch“.
Kommen wir zum hiesigen metaphorischen Verständnis des Herzens zurück, passt die Wortwahl ganz gut – man kann durch einen Duft betören oder durch Worte. Die richtigen Worte, liebevoll und ernst gemeint, sind für das Herz wie ein Bouquet duftender Frühlingsblumen oder Rosen für die Nase. Eine Wohltat. Umgekehrt ist es genauso verständlich.
Aber auch im asiatischen Sinne, wenn das Herz der Sitz des Geistes ist, passt das Bild. Weise Worte erfreuen den Geist. Und ein Geist, der sauber und klar ist, wählt solche Worte – und “verströmt” damit einen angenehmen “Duft“.
Wenn ich allerdings mal wieder den Advocatus Diaboli spiele *gnihihi*, dann schließt der “Duft des Herzens” das “Licht des Herzens” aus: Wo Worte sind, ist keine Stille – und Stille braucht keine Worte. Müssen wir also im Dunkeln duften? Oder ist ein klarer, also erhellter Geist dann quasi geruchsneutral?

Setze Dich im Winter an einen Bach - und dann horche weit hinter das Murmeln und Rauschen des Wassers...
Geht man aber einen Schritt weiter und nimmt den Worten ihren Klang, so dass sie nur noch Bedeutung sind und nackt und leise im Geiste stehen, dann passt es wieder. Denn dann kann man den eigentlichen Duft der Bedeutung riechen – frei vom Parfum des Klanges. Und erkennt vielleicht genau dann, wann jemand klangvolle Worte zum Betören benutzt und sie eigentlich, in diesem Moment, keine echte Bedeutung haben. Oder wann jemand, in aller Stille, ohne Worte, ein Licht im Herzen entzündet – sei es im westlichen oder asiatischen Sinne. Einfach dadurch, dass er oder sie ganz ehrlich und freigiebig das eigene Licht und den eigenen Duft mit einem teilt.
Duftende, erhellende, geteilte Stille.
Letzte Worte vom Yogi-Tee…
…denn heute habe ich den letzten Beutel aus der Packung genommen
Heute belehrte mich mein flüssiger Freund: “Es ist besser, mit dem Fuß auszurutschen als mit der Zunge.”
Als erstes ging mir dabei durch den Kopf: “Wer hat denn das so ins Deutsche übersetzt?” Das Sprichwort klingt für mich eher englischsprachigen Ursprungs – aber wie dem auch sei, das Wortrefugium ist n o c h nur Gedankenspiel und wird umgesetzt, wenn’s soweit ist.
Machen wir uns also ein paar Gedanken dazu. Zunächst einmal mag man meinen, dass der Urheber dieses klugen Sprüchleins sich entweder noch nie den Fuß verstaucht, gebrochen oder sich dort einen Bänderriss zugezogen hat. Von Ersterem und Letzterem kann ich sagen, dass es höllisch weh tut! Gebrochen habe ich mir allerdings noch nie was, da kann ich also nicht mitreden.
http://www.nichtlustig.de/toondb_iframe/ab541d874c7bc19ab77642849e02b89f.html
Aus der eher physischen und egozentrischen Warte ist diese Glückskeksweisheit also schonmal Mumpitz. Nicht umsonst sagt der Volksmund hierzulande, wenn etwas nicht so schlimm ist: “Ist ja kein Beinbruch!”
Kommen wir nun zur sozial-psychologischen Perspektive. Da wird das Ganze nämlich schon interessanter!
- ist hier ein Ausrutscher mit der Zunge unter Umständen in seiner Auswirkung sehr physisch schmerzhaft. Einfach mal “asoziales Sackgesicht” zum/zur Falschen gesagt und schon dürfte klar sein, warum dieser verbale Ausrutscher äußerst peinigend sein kann. DON’T TRY THIS AT HOME!
- muss es nichtmal eine verbale Entgleisung wie unter 1. sein, die weitreichende Folgen hat.
Beispiel: A. trifft B. in der Stadt und sagt: “Mensch, ich wusste ja gar nicht, dass Du und Dein Freund Schluss gemacht habt! Die Neue sieht aber nicht gut aus, Dein Ex hat keinen guten Geschmack.” Nett gemeint, aber wenn B. nicht wusste, dass der Freund Schluss gemacht und eine “Neue” hat, war das vermutlich das Ende nicht nur einer Beziehung. - kann Unachtsamkeit oder einfach mangelndes Einfühlungsvermögen etwas sein, dass die Amerikaner so schön als “pain in the ass” bezeichnen. Wenn jemand einen deutschen Ausdruck kennt, der das genauso treffend beschreibt, immer her damit! Wenn ER z. B. die Wohnung betritt mit dem Ausspruch “Oh, was stinkt denn hier so?” nachdem SIE drei Stunden lang versucht hat, Königsberger Klopse wie seine Mama hinzukriegen und ihm freudestrahlend mit dem Teller entgegen kommt, kann das ein verbaler Schlag ins Gesicht sein. (Ich mag Königsberger Klopse, nur manchmal finde ich den Kaperngeruch echt fies und kann die dann auch nicht mehr essen!)
Wir merken: Gehe in eine andere Ebene und schon macht die Warnung vor der ausrutschenden Zunge Sinn.
Mal sehen, wann ich mir die nächste Packung Yogi-Tee hole und was dann da so Schönes drin steht.
