Überstanden!
Gestern war es soweit:
Nachdem ich den ersten OP-Termin verschieben musste, habe ich nun endlich meine Abrasio hinter mir!
Das klingt jetzt so, als hätte ich mich darauf gefreut – mitnichten. Ich bin nur froh, dass ich das hinter mir habe.
Für alle, die damit jetzt nichts anfangen können, aber weiblichen Geschlechts sind: Ich erkläre gleich, was das ist und wozu es gut sein soll. Ihr solltet weiterlesen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass es euch irgendwann betrifft, recht hoch ist.
Für diejenigen männlichen Geschlechts, die mit Weiberkram nur im lustvollen Ambiente zu tun haben wollen: Hört bitte genau hier auf zu lesen, danke!
Damit ihr nicht ungewollt weiterlesen könnt, hier zu etwas völlig anderem:
So, Mädels (und die Jungs von euch, die’s interessiert), und nun zur Sache:
Der deutsche Begriff für “abrasio” lautet “Ausschabung”. Das klingt irgendwie unfreundlich und ist es ein Stück auch. Bei einer Ausschabung holt der Gynäkologe unter Vollnarkose mit einem scharfen Löffel zunächst die Schleimhaut aus dem Muttermund und dann aus der Gebärmutterhöhle raus. Man kann sich das wie bei einer Kiwi vorstellen, wo man auch das Fruchtfleisch mit dem Löffel rauskratzt.
Warum macht man sowas?
Es ist recht wahrscheinlich, dass ihr irgendwann mal Probleme mit eurer Menstruationsblutung bekommt. Sehr vielen Frauen geht das irgendwann mal so: Die Blutungen werden häufiger und/oder länger und es gibt verstärkt Beschwerden. Wenn ihr regelmäßig einmal im Jahr zur Kontrolle beim Gynäkologen auftaucht – was ihr schon zur Krebsvorsorge tun solltet, geschweige denn, wenn ihr die Pille nehmt! – schallt dieser für gewöhnlich eure Gebärmutter. Und prüft dabei, ob es dort Veränderungen in der Schleimhaut gibt. Ist das so und habt ihr parallel dazu Veränderungen in eurer Mens festgestellt, kann das ein Polyp sein. Diese gutartigen Schleimhautwucherungen können in jeder Schleimhaut auftauchen: Rachen, Nebenhöhlen, Nasenschleimhaut, Darm, etc. Die sind im Allgemeinen nicht schlimm und werden nur entfernt, wenn sie Probleme machen.
Es kann aber auch sein, dass ihr ein Myom habt: Das ist eine gutartige Wucherung in der Muskulatur der Gebärmutter (diese ist ja im Grunde nur ein mit Schleimhaut ausgekleideter, birnenförmiger Muskelsack und normalerweise nicht größer als eure Faust). Die sind normalerweise auch nicht so problematisch, können aber auch Menstruationsbeschwerden verursachen und schlichtweg zu groß werden.
Egal ob Polyp oder Myom: Wenn ihr Beschwerden habt, wird euch euer Frauenarzt zum Entfernen desselben raten.
Eine sehr unschöne Indikation für eine Ausschabung gibt es noch: Eine Fehlgeburt. Wie ihr vielleicht wisst, kann es in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft zu einem Spontanabort kommen, d. h. der Fötus stirbt ab und wird ausgestoßen. Auch bei älteren Föten bzw. Embryos kann es vorkommen, dass es den Mutterleib nicht lebend verlässt. Das ist sicherlich an sich schon etwas sehr Trauriges, vor allem bei Wunschkindern. Es kann aber dabei dazu kommen, dass nicht alles richtig von der Gebärmutter ausgestoßen wird. Damit das nicht zu ernsten gesundheitlichen Problemen bei der Mutter führt, muss auch hier eine Ausschabung gemacht werden. Besonders schlimm stelle ich mir das vor, wenn das Kind im Mutterleib gestorben ist und die Gebärmutter es nicht abstößt. In dem Fall muss das für die Mutter furchbar sein, als würde man ihr ihr Kind entreißen. Aber es ist die einzige Möglichkeit, ihr Leben zu retten, sie würde sonst an einer Vergiftung durch das Leichengift sterben!
Wie geht eine Ausschabung?
Zunächstmal findet der Eingriff in Vollnarkose statt, damit ihr wirklich ruhig und entspannt auf dem OP-Tisch – in diesem Falle ist es eher so ein Mittelding aus Tisch und Gyn-Stuhl – liegt.
Dann wird der Muttermund geweitet, damit die Endoskop-Kamera durchpasst und die Gebärmutter ein wenig “aufgepumpt”. So ist sie schön entfaltet und der Operateur kann sich nun mit der Kamera eure Gebärmutter von innen genau ansehen: Sind da Veränderungen in der Schleimhaut? Wenn ja, wo und wieviele? Wie sehen die aus? Welche Abstände haben die Wände zueinander?
Dann greift der Chirurg zum “Löffel” und kratzt zuerst die Schleimhaut aus dem Muttermund und im Anschluss aus der Gebärmutter. Das geschieht in zwei Schritten, damit beide “Portionen” unabhängig voneinander in der Pathologie untersucht werden können. Das passiert übrigens immer! Einfach um sicher zu gehen, dass da nirgends ein bösartiger Tumor lauert, der sich bisher erfolgreich vor eurem Frauenarzt versteckt hat. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber Vorsicht ist nun mal die Mutter der Porzellankiste.
Im Anschluss wird nochmal mit der Kamera nachgeschaut, ob alles sauber raus ist, es keine Verletzungen gab und die OP nun erfolgreich abgeschlossen ist.
Dann werdet ihr ins Zimmer zurückgeschoben, wo ihr aus der Narkose aufwacht und hoffentlich – so wie ich Glückliche – euren Mann/Freund oder eure Frau/Freundin vorfindet, der/die froh ist, euch wieder zu haben. Und dann pennt ihr erstmal schön die Narkose aus und gönnt euch Ruhe, Ruhe, Ruhe!
Fertig? Noch nicht ganz…
Wenn ihr wieder soweit seid, dass ihr trinken und essen könnt und die ersten Schritte gelaufen seid, könnt ihr wieder nach Hause. Vorausgesetzt natürlich, ihr hattet keine starken Blutungen oder Fieber! Das ist aber sehr selten und bei mir war es in etwa so wie bei meinen Tagen. Natürlich merkt man, dass da was im Gange ist, aber bei mir fühlt es sich in etwa wie die normale Monatsblutung an, es tut nur weniger weh als die letzten Blutungen! Und den “Ballon” im Bauch merke ich auch ein bisschen, aber die Luft ist irgendwann resorbiert und dann kommt der Druck auf den Hosenbund von der Schokolade ![]()
Die ersten zwei bis drei Tage nach der OP sollte man es ruhig angehen lassen, keine Wasserkästen oder Schwereres durch die Gegend schleppen, eine Woche nicht baden und auch keinen Sex haben. Das muss ja schon alles erst ausheilen und der Muttermund muss sich wieder schließen – sonst droht eine Infektion der Gebärmutter. Duschen ist übrigens ganz normal erlaubt, solange ihr dabei keine Scheidenspülungen macht.
Ca. eine Woche nach dem Eingriff müsst ihr dann nochmal zu eurem Frauenarzt, damit der das OP-Ergebnis durch Ultraschall nochmals kontrolliert und euch den hoffentlich negativen Befund der Pathologen mitteilen kann.
Bei mir wurde die Ausschabung gestern im Luisenhospital in Aachen vorgenommen und ich bin echt zufrieden: Nur nette Ärzte bzw. Ärztinnen, Schwestern und Pfleger, keine Komplikationen und seit gestern Abend blutet’s auch schon nicht mehr. Klar, der Unterbauch ziept noch ein wenig, aber das ist wirklich wie bei der Regel, fast noch weniger.
Montag rufe ich dann bei meiner Gyn wegen des Kontroll-Termins an und dann ist das auch überstanden – völlig
Fazit: Auch wenn es nicht schön ist, in Vollnarkose gelegt zu werden und jemanden da ganz unkontrolliert im Intimbereich hantieren zu lassen, ist es aber nicht so schlimm, dass man da furchbare Angst vor haben müsste. Bei mir ist jedenfalls alles super gelaufen und ich wünsche meiner Zimmernachbarin, dass ihr Pathobefund negativ ist. Sie musste nämlich wegen eines positiven Abstrichs ausgeschabt werden – was aber mit der Ausschabung schon erledigt sein dürfte, wenn sie regelmäßig zur Kontrolle gegangen ist.
Allen von euch, denen sowas bevor steht: Ihr müsst das nicht mögen, aber Angst haben braucht ihr wirklich keine!

Heidi Kratz sagte,
25. Februar 2012 um 09:23
Hey Löwin, du hast hier einen tollen Bericht verfasst, der einigen Frauen – ich eingeschlossen – die Angst vor einer Ausschabung nehmen wird. Danke dafür und weiter alles Gute.
Sachmet Nimhr sagte,
25. Februar 2012 um 10:13
Hi Heidi,
vielen Dank für Dein Feedback!
Genau dafür war der Bericht verfasst, ich hatte nämlich selber wirklich Angst davor, weil ich “nur” die Informationen von Ärzten dazu gefunden habe und Allenfalls ein paar Foren-Beiträge von Frauen, die eine Ausschabung nach einer Fehlgeburt hatten. Da stecken dann natürlich ganz andere emotionale Belastungspunkte mit drin als bei der einfachen Entferung eines Polypen.
Es ist aber wirklich nicht so schlimm wie es klingt
GG sagte,
25. Februar 2012 um 11:44
Dem schließe ich mich an.