Projekt Führerschein R.I.P.

19. Januar 2012 at 19:31 (Allgemeines)

Am Montag hatte ich meinen Zweitmeinungstermin bei der behandelnden Augenärztin meines Vaters. Zunächst einmal war ich schokiert, wie sehr sich das Bethesda-Krankenhaus, in dem die Räume sind, vergrößert hat! Und dann, nach Durchschreiten der Drehtür, der sensorische Schock-Moment: Direkt am Anfang des Ganges ist die Zahn-Mund-Kiefer-Chirurgie – mit dem entsprechenden Zahnarzt-Praxen-Geruch.

Bin ich eigentlich die Einzige, die bei diesem Geruch sofort ein mulmiges Gefühl im Bauch bekommt?

Nun aber der Gang in die Praxis: Hübsche, freundliche Sprechstundenhilfen wuseln durch recht moderne, freundliche Räume. Frau Dr. ist gerade noch im OP und kommt dann gleich, ein wenig Geduld bitte noch. Erstmal die üblichen Messungen durch die Sprechstundenhilfen – Sehstärke (wieder nur 50%), Brillenstärke und ganz gründlich auch nochmal geschaut, wieviel denn mein linkes Auge noch kann (Licht an, Licht aus – mehr nicht).

Mein erster Eindrück: Die geben sich hier viel mehr Mühe und sind gründlicher, als ich es gewohnt bin.

Und ab zurück ins Wartezimmer zu Stiefmama, die ihren Termin an mich abgetreten hätte, wenn das nötig gewesen wäre. War aber nicht nötig, wir werden einfach im Doppelpack untersucht :-)

Tja, und dann ab zu Frau Dr. ins Sprechzimmer – sie schaut sich meine Krankenakte an und ist ganz begeistert, dass ich die habe. Und kennt meinen alten Augenarzt, der seit zwei Jahren in Rente ist und dessen Nachfolger mich die letzten zweimal untersucht hat. Ich werde auf das Gründlichste an beiden Augen untersucht, durch sämtliche diagnostischen Geräte, die in der Praxis stehen “gejagt” und bekomme schließlich, neben ganz vielen Informationen und Anekdoten aus Frau Doktors Assistenzzeit, folgende wesentlichen Punkte zum Nachdenken/Sackenlassen mit auf den Weg:

  1. Der graue Star auf meinem linken Auge ist derartig weit fortgeschritten, dass sich die Linse bereits ablöst. Das Auge sollte in absehbarer Zeit operiert werden, damit keine weiteren Schäden, z. B. ein Glaukom auftreten. Das hatte mir mein alter Augenarzt vor vielen Jahren schonmal gesagt – mit dem Hinweis, dass das vermutlich noch Jahre dauert.  Er hatte Recht (was ich nie angezweifelt habe). Sein Nachfolger hat das linke Auge nicht derartig gründlich angeschaut.
  2. Der graue Star auf dem rechten Auge liegt, wie die Augenärzte vorher richtig erkannt haben, sehr ungünstig. Die hintere Schalentrübung, wie diese Form von Katarakt heißt, sitzt bei mir relativ zentral. Was erklärt, warum ich manchmal, je nach Winkel, graue Schlieren auf dem Bild habe.
  3. Nach dem Ultraschall meiner Netzhaut steht fest, dass da auch eine Anomalie zu finden ist – im Bereich der Makula Densa, der Sehgrube, ist eine Ausstülpung zu sehen. Diese deutet auf einen möglichen Zug auf die Netzhaut hin. Ich soll auf jeden Fall in drei Monaten nochmal zur Kontrolle kommen (Termin steht schon: 19.04.2012 um 16:00 Uhr). Und, ganz wichtig: Sollte ich plötzlich auftretende Sehstörungen wie blinde Flecken oder “Blitze” bemerken, sofort zum nächsten Augenarzt und ihn auf den Befund sowie auf familiäre Vorkommen schwerer Augenerkrankungen hinweisen. Letzteres hatte mir bislang noch niemand gesagt und mich auch nie danach gefragt.
  4. Ich muss einer OP auf jeden Fall ins Auge sehen (haha): Links vermutlich eher als rechts – das rechte kann in fünf Jahren fällig werden oder auch früher. Die Entscheidung liegt letztlich bei mir.

Alles in Allem also eine Bestätigung der Diagnose durch meinen letzten Augenarzt. Trotzdem fühle ich mich bei der Ärztin von meinem Vater besser aufgehoben und werde da wieder hingehen. Die Frau operiert seit 36 Jahren, liebt spürbar ihren Job und redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Ich bin gespannt, was ich am 19. April zu hören bekomme…aber das Projekt Führerschein ist, so denke ich, gestorben. Vorerst.

6 Kommentare

  1. Oliver Schönen sagte,

    Ich bin sehr froh, dass Du zu dieser Frau mehr oder vielleicht sogar überhaupt vertrauen gefunden hast. Und auch die zweite Meinung fand ich sehr, sehr wichtig.
    In meinen Augen gehst Du da jetzt ganz anders mit um.
    Hab Dich lieb! :-*

    • Sachmet Nimhr sagte,

      Danke Dir für die lieben Worte. Vertrauen oder nicht, ein Restrisiko bleibt bestehen, wie bei jeder OP. Und das macht mir Angst, auch wenn ich von zig Leuten höre, die eine Katarakt-OP super überstanden habe. Was, wenn’s ausgerechnet an meinem rechten Auge schief geht? Klar, das Leben geht weiter, aber wie?

  2. ^Ela^ sagte,

    *sfz* Naja man muss ja das Positive sehen, dass du jetzt wenigstens genau weisst was Sache ist und man das auch mal ausführlich gepürft und erklärt bekommen hat. OP Termin und dafür kein Führerschein ist aber natürlich trotzdem doof! :-(
    Nicht unterkriegen lassen!

    • Sachmet Nimhr sagte,

      Richtig, ich weiß jetzt, was los ist und muss mich damit abfinden, dass ich so oder so nicht um eine OP herumkommen werde. Einzig den Zeitpunkt kann ich bestimmen: Ab wann wird Gucken für mich so anstrengend, dass ich eine OP und das damit verbundene Risiko, mein einziges sehendes Auge zu schädigen, in Kauf nehme?
      Bisher haben mir alle Augenäzte gesagt, Katarakt-OP sei kein Problem und ich höre auch von genug positiven Ergebnissen aus dem Bekannten- und verwandtenkreis. Angst habe ich trotzdem. Und zwar nicht zu knapp.

  3. Thalassa sagte,

    Ach, je, Michele. :-( Dass du Angst hast, kann ich gut verstehen. Das hätte ich auch. Ich kann dich nur ganz fest drücken und wünsche Dir von Herzen Mut und Kraft und soviel Geborgenheit und Stabilität in Deinem Leben, dass in Deinem Herzen die Zuversicht wachsen kann. Und dass es mit dem Führerschein – wenn auch später – doch klappen wird *knuddel*.

    Ganz liebe Grüße

    Thalassa

    • Sachmet Nimhr sagte,

      Hallo Thalassa,
      vielen Dank!
      Ich zitiere mal – ich glaube es war Goethes Faust: “Die Worte hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!”
      Mein Problem ist weniger die fehlende Zuversicht als die Gewissheit, dass die paar Prozent der Leute, bei denen so eine OP schief geht, ja auch irgendwoher kommen müssen. So viel Ahnung von Statistik zu haben, dass man keiner genau trauen kann, ist ein zweischneidiges Schwert ;-)

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