Projekt Führerschein R.I.P.
Am Montag hatte ich meinen Zweitmeinungstermin bei der behandelnden Augenärztin meines Vaters. Zunächst einmal war ich schokiert, wie sehr sich das Bethesda-Krankenhaus, in dem die Räume sind, vergrößert hat! Und dann, nach Durchschreiten der Drehtür, der sensorische Schock-Moment: Direkt am Anfang des Ganges ist die Zahn-Mund-Kiefer-Chirurgie – mit dem entsprechenden Zahnarzt-Praxen-Geruch.
Bin ich eigentlich die Einzige, die bei diesem Geruch sofort ein mulmiges Gefühl im Bauch bekommt?
Nun aber der Gang in die Praxis: Hübsche, freundliche Sprechstundenhilfen wuseln durch recht moderne, freundliche Räume. Frau Dr. ist gerade noch im OP und kommt dann gleich, ein wenig Geduld bitte noch. Erstmal die üblichen Messungen durch die Sprechstundenhilfen – Sehstärke (wieder nur 50%), Brillenstärke und ganz gründlich auch nochmal geschaut, wieviel denn mein linkes Auge noch kann (Licht an, Licht aus – mehr nicht).
Mein erster Eindrück: Die geben sich hier viel mehr Mühe und sind gründlicher, als ich es gewohnt bin.
Und ab zurück ins Wartezimmer zu Stiefmama, die ihren Termin an mich abgetreten hätte, wenn das nötig gewesen wäre. War aber nicht nötig, wir werden einfach im Doppelpack untersucht
Tja, und dann ab zu Frau Dr. ins Sprechzimmer – sie schaut sich meine Krankenakte an und ist ganz begeistert, dass ich die habe. Und kennt meinen alten Augenarzt, der seit zwei Jahren in Rente ist und dessen Nachfolger mich die letzten zweimal untersucht hat. Ich werde auf das Gründlichste an beiden Augen untersucht, durch sämtliche diagnostischen Geräte, die in der Praxis stehen „gejagt“ und bekomme schließlich, neben ganz vielen Informationen und Anekdoten aus Frau Doktors Assistenzzeit, folgende wesentlichen Punkte zum Nachdenken/Sackenlassen mit auf den Weg:
- Der graue Star auf meinem linken Auge ist derartig weit fortgeschritten, dass sich die Linse bereits ablöst. Das Auge sollte in absehbarer Zeit operiert werden, damit keine weiteren Schäden, z. B. ein Glaukom auftreten. Das hatte mir mein alter Augenarzt vor vielen Jahren schonmal gesagt – mit dem Hinweis, dass das vermutlich noch Jahre dauert. Er hatte Recht (was ich nie angezweifelt habe). Sein Nachfolger hat das linke Auge nicht derartig gründlich angeschaut.
- Der graue Star auf dem rechten Auge liegt, wie die Augenärzte vorher richtig erkannt haben, sehr ungünstig. Die hintere Schalentrübung, wie diese Form von Katarakt heißt, sitzt bei mir relativ zentral. Was erklärt, warum ich manchmal, je nach Winkel, graue Schlieren auf dem Bild habe.
- Nach dem Ultraschall meiner Netzhaut steht fest, dass da auch eine Anomalie zu finden ist – im Bereich der Makula Densa, der Sehgrube, ist eine Ausstülpung zu sehen. Diese deutet auf einen möglichen Zug auf die Netzhaut hin. Ich soll auf jeden Fall in drei Monaten nochmal zur Kontrolle kommen (Termin steht schon: 19.04.2012 um 16:00 Uhr). Und, ganz wichtig: Sollte ich plötzlich auftretende Sehstörungen wie blinde Flecken oder „Blitze“ bemerken, sofort zum nächsten Augenarzt und ihn auf den Befund sowie auf familiäre Vorkommen schwerer Augenerkrankungen hinweisen. Letzteres hatte mir bislang noch niemand gesagt und mich auch nie danach gefragt.
- Ich muss einer OP auf jeden Fall ins Auge sehen (haha): Links vermutlich eher als rechts – das rechte kann in fünf Jahren fällig werden oder auch früher. Die Entscheidung liegt letztlich bei mir.
Alles in Allem also eine Bestätigung der Diagnose durch meinen letzten Augenarzt. Trotzdem fühle ich mich bei der Ärztin von meinem Vater besser aufgehoben und werde da wieder hingehen. Die Frau operiert seit 36 Jahren, liebt spürbar ihren Job und redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Ich bin gespannt, was ich am 19. April zu hören bekomme…aber das Projekt Führerschein ist, so denke ich, gestorben. Vorerst.
Hasta la vista, 2011!
„Time flies when you’re having fun!“, behaupten die Angelsachsen ganz frech – und haben natürlich recht.
Aber dennoch, wo zur Hölle ist bitte dieses Jahr hin? Und überhaupt, liebes 2011, was war denn mit Dir los?! Du hast uns mit Eiseskälte und einem derartig endlosen Winter begrüßt, dass ich dachte, ich sei auf der falschen Seite des Kleiderschranks wieder herausgekommen und in Narnia gelandet.
In Narnia fahren aber keine Züge.

Da ich zu dieser Zeit noch mit dem Zug nach Köln pendeln musste, war das schon wirklich heftig, ständig wegen irgendwelcher eingefrorenen Weichen irgendwo festzuhängen. Die Bahn verklagt jetzt übrigens sechs Bahnmitarbeiter, weil die in dem strengen Winter diese Baumaßnahmen angeordnet haben. Wie war noch mal der Fachterminus für „Bauernopfer“?
Eigentlich ein kleines Wunder, dass ich „nur“ eine 2,5 Wochen dauernde Grippe mit Bronchitis und nicht gleich eine doppelseitige Lungenentzündung bekommen habe – denn die Heizungen funktionieren in den Waggongs leider nicht immer. Das macht Spaß bei -15°C in einem Zug, der die ganze Nacht draußen im Gleis gestanden hat. Die 1. Klasse hatte diese Probleme WIMRE übrigens nicht, aber die konnte man ja wegen so einer Lappalie nicht für die 2.-Klasse-Proleten (ich bin auch einer) frei geben.
Dass mein Körper mir diese Zwangspause verpasst hat, war allerdings dringend nötig – nur so habe ich gemerkt, dass ich meinen alten Job nicht mehr länger unter den ganzen Randbedingungen ausüben kann. Und so gingen dann ein paar Bewerbungen raus und eine fiel auf fruchtbaren Boden.
Seit dem ersten April arbeite ich in einem anderen Umfeld, in der Nähe meiner lieben Öcher (Eingeborene und Zugezogene) und bin im Kreise meiner stets gut gelaunten, frotzelnden und teilweise etwas geekigen (Hey, es sind Softwareentwickler anwesend, da muss das!) Kollegen gut aufgenommen und assimiliert worden. Wir sind die Borg, aber besser drauf!
Apropos gut drauf: Der Winter ging recht kompromisslos über den Frühling hinweg, um ein Sommer zu werden. Eiscreme- und T-Shirt-Wetter im April und Hochsommer im Mai. Wir fürchteten schon den Sommer, aber der war dann irgendwie beleidigt und kam nicht.
Unsere kleine Familie aus GöGa, Meinereiner und „Bärchenkatze“ Lisa hat im *hüstel* Sommer *hüstel* dann überraschend Zuwachs bekommen - Niriel (Rufname „Niri“) ist uns zugelaufen und hat mein Herz im Sturm erobert. Naja, eigentlich hat sie es ja eher schnurrend umschmust und so ganz samtpfotig Einlass erschlichen. Katzen… nur schlechte Menschen können sie hassen. GöGa hat sie in der Zwischenzeit auch ums Pfötchen gewickelt, er schmust halt auch gern. Nur mit Lisa klappt die innige Bindung noch nicht so recht – was weniger an Lisa als an Niri liegt.
Der ansonsten recht ereignislose Herbst glänzte mit einem wunderschönen Mallorca-Urlaub und der erfolgreich absolvierten Probezeit in meinem neuen Job. Ein anderer hat dafür seinen an den Nagel gehängt mit Benzin übergossen, angezündet und die Asche in Beton eingegossen – nicht ohne vorher noch einmal drauf zu spucken (natürlich hinter den Kulissen). Schauen wir, wie es hier weitergeht, 2012, wir hoffen auf Dich!
Tja, und jetzt ist Weihnachten vorbei, die Feierlichkeiten sind soweit komplikationslos überstanden und wir freuen uns auf eine schöne Silvesterfeier mit Freunden samt süßestem kleinen Jungen der Welt und den tollsten Nachbarn von allen im Waltons-Haus
Vorsätze für das nächste Jahr: Mal sehen was kommt, ich lasse mich überraschen. Am 16. Januar erfahre ich, wie es um das Projekt Führerschein bestellt ist. 2012 kann also recht früh damit anfangen, ein gutes Jahr zu werden!

